Es gibt kaum ein Getränk, das so sehr mit Genuss, Kultur und besonderen Momenten verbunden wird wie Wein. Doch so edel die Tropfen auch sein mögen – sie sind nicht unsterblich. Ja, Wein kann schlecht werden. Und wie lange er hält, hängt stark von der Sorte, der Lagerung und dem Verschluss ab. In diesem Artikel erkläre ich dir, woran du verdorbenen Wein erkennst, wie du ihn richtig lagerst und wie du sicherstellst, dass deine nächste Flasche auch wirklich ein Genuss wird.
Wie lange ist Wein eigentlich haltbar?
Junge Weine: Für den baldigen Genuss gedacht
Nicht jeder Wein ist dafür gemacht, jahrelang zu lagern. Viele Weißweine, Rosés oder auch einfache Rotweine aus dem Supermarkt sind sogenannte “Trinkweine”. Sie schmecken am besten jung – meist innerhalb eines Jahres nach dem Kauf. Ein deutliches Zeichen dafür ist, wenn der Hersteller ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Flasche angibt. Auch wenn der Wein danach oft noch trinkbar ist, nimmt sein Aroma nach und nach ab.
Kleiner Tipp aus meinem Weinkeller: Ich hatte mal einen günstigen Riesling drei Jahre liegen lassen – neugierig, wie er sich entwickelt. Die Antwort? Leider wie Apfelessig.
Gereifte Weine: Für die Geduldigen unter uns
Es gibt sie, die besonderen Jahrgänge, die sich mit der Zeit entfalten wie ein gutes Buch. Diese Weine – oft Rotweine mit hohem Tanningehalt oder edelsüße Tropfen wie Trockenbeerenauslesen – sind für die Lagerung gemacht. Aber selbst hier gilt: Es gibt keine Garantie. Auch ein teuerer Wein kann nach 20 Jahren „umgekippt“ sein – und wird in feinen Restaurants oft ohne Rückgaberecht serviert.
Unterschiedliche Weinsorten – unterschiedliche Haltbarkeit
Rotwein
Rotweine enthalten Tannine, die antioxidativ wirken und somit eine längere Lagerzeit ermöglichen. Gute Rotweine können 5–10 Jahre oder länger halten – abhängig von Qualität und Lagerung.
Weißwein
Weißweine sind meist etwas empfindlicher. Frische, fruchtige Tropfen wie Sauvignon Blanc oder Silvaner solltest du innerhalb von 1–3 Jahren trinken. Ausnahme: gereifte Rieslinge oder Chardonnay aus dem Barrique – die können auch länger lagern.
Schaumwein
Bei Sekt, Crémant und Champagner kommt es stark auf die Machart an. Ein einfacher Prosecco ist nicht für die Lagerung gedacht – hier gilt: je frischer, desto besser. Edle Champagner hingegen können sich über Jahre hinweg entwickeln.
Dessertwein
Portwein, Sherry oder Eiswein haben dank ihres Zuckergehalts und manchmal auch höheren Alkoholanteils eine sehr lange Haltbarkeit – oft über Jahrzehnte hinweg.
Woran erkennt man schlechten Wein?
Auch wenn der Wein ungeöffnet ist, kann er mit der Zeit an Qualität verlieren – oder sogar umkippen. Besonders nach dem Öffnen ist Vorsicht geboten.
1. Der Korken sieht mitgenommen aus
Ein bröseliger, eingetrockneter oder gar durchgeschimmelter Korken ist kein gutes Zeichen. Er könnte Sauerstoff ins Innere gelassen haben – der größte Feind des Weins.
2. Geruch und Geschmack sind seltsam
Ein Wein, der nach Essig, feuchtem Keller oder gekochtem Gemüse riecht, sollte besser nicht mehr getrunken werden. Auch wenn er stark sauer oder metallisch schmeckt, heißt es: lieber weg damit.
3. Die Farbe oder Textur ist ungewöhnlich
Braunstich bei Weißwein oder Trübungen bei Rotwein? Große Mengen von Bodensatz oder sogar Schimmel? Das sind Warnzeichen, dass dein Wein das Zeitliche gesegnet hat.
Einmal habe ich eine alte Flasche geöffnet, die ich zu Weihnachten geschenkt bekam. Sah okay aus, roch aber nach nassem Hund. Spoiler: Ich habe sie nicht ausgetrunken.
Wie lagert man Wein richtig?
Auch ohne eigenen Weinkeller kannst du Wein zu Hause gut lagern – mit ein paar einfachen Tricks:
Kühl und dunkel
Direktes Sonnenlicht und Hitze beschleunigen Oxidation. Ein dunkler, kühler Ort mit konstanten Temperaturen um 12–16 °C ist ideal – zum Beispiel ein Vorratsraum oder ein kühler Abstellraum.
Seitlich lagern
Weinflaschen mit Naturkorken sollten liegend aufbewahrt werden, damit der Korken nicht austrocknet. Trockene Korken ziehen Luft – und das ruiniert den Wein.
Kein Kühlschrank für Ungeöffnete
Ungeöffneter Wein gehört nicht in den Kühlschrank – dort ist es zu kalt und zu feucht. Nach dem Öffnen kannst du ihn aber 2–5 Tage im Kühlschrank aufbewahren, je nach Sorte.
Häufige Fragen zur Weinlagerung
Kann man alten Wein noch trinken?
Wenn der Wein ordentlich gelagert wurde und noch gut riecht und schmeckt – ja. Die Qualität leidet zwar, aber gesundheitlich ist es meist unbedenklich.
Kann Wein schlecht werden, ohne dass man es merkt?
Ein geöffneter Wein kippt manchmal unbemerkt – besonders Weißwein. Schmeckt er schal, sauer oder dumpf, ist das ein klares Zeichen.
Kann man von schlechtem Wein krank werden?
In der Regel nein – der Alkohol wirkt konservierend. Es sei denn, der Wein ist mit Bakterien oder Schimmelpilzen kontaminiert (sehr selten).
Sollte man Wein im Kühlschrank aufbewahren?
Nur geöffnete Flaschen. Für längere Lagerung ist ein kühler, dunkler Raum besser.
Fazit: Guter Wein verdient gute Pflege
Ob Rot, Weiß, Rosé oder prickelnd – Wein ist ein Geschenk für die Sinne. Damit das auch so bleibt, lohnt es sich, ein paar Grundregeln zur Lagerung zu beachten. Lagere deine Flaschen kühl, dunkel und liegend. Achte auf den Zustand des Korkens und auf Veränderungen in Geruch und Geschmack. Und vor allem: Hebe dir gute Weine nicht zu lange auf – sie sind zum Trinken da, nicht zum Staubfangen.
Ich hebe mir jetzt immer eine gute Flasche für den nächsten besonderen Moment auf – aber ich warte nicht mehr ewig. Denn seien wir ehrlich: Jeder Tag kann ein Anlass zum Anstoßen sein.